ADHS und Methylphenidat bei Fliegen und Menschen PDF Drucken E-Mail

Aufmerksamkeitsdefizite und Aufmerksamkeitsstörungen bei Fliegen und Menschen

Aktuellen Informationen der Freien Universität Berlin zufolge, hat ein deutsch-australisches Team aus Forschern der Freien Universität und des Queensland Brain Institute im australischen Brisbane eine Methode entwickelt, mit der die Aufmerksamkeit von Fliegen gemessen werden kann. Diese Entwicklungen könnten dazu beitragen, weitere Erkenntnisse über Krankheiten wie dem Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) beim Menschen zu erhalten.

Das Team kombinierte genetische Methoden mit Gehirnmessungen und Verhaltenstests. Dabei fanden die Biologen unterschiedliche Mutationen, die die Aufmerksamkeit der Fliegen entweder erhöhten oder verringerten. Van Swinderen entdeckte dank dem genetischen Taufliegen-Modellsystem Drosophila melanogaster, dass der Grad der Ablenkbarkeit der Fliegen fein darauf abgestimmt ist, das richtige Verhalten in der richtigen Situation zu zeigen: "Wir haben eine Fliegenmutante mit Gedächtnisverlust, die kaum von einer Aufgabe abzulenken ist und wieder eine andere, die sich zu leicht ablenken lässt. Für beide hat das die gleichen Folgen: Lernprobleme - aber aufgrund von völlig unterschiedlichen Ursachen, ganz ähnlich wie bei Menschen mit ADHS."


Den Fliegen wurde Methylphenidat verfüttert, ein Arzneimittel, das unter dem Markennamen "Ritalin" häufig für Patienten mit ADHS verschrieben wird. Hiebei konnten die Forscher beobachten, dass die Behandlung bei Fliegen ähnliche Effekte aufweist wie beim Menschen. Es half nämlich den weniger aufmerksamen Fliegen, sich auf visuelle Reize zu konzentrieren.

"Diese Ergebnisse legen nahe, dass es biochemische Mechanismen im Fliegengehirn und im menschlichen Gehirn geben muss, die einander ähneln. Wir verfügen nun endlich ein reduktionistisches Modellsystem, mit dem wir untersuchen können, was genau sich bei diesen Prozessen abspielt", sagte van Swinderen. Privatdozent Brembs erklärte: "Diese überraschenden Parallelen zwischen Insekten und Menschen könnten ein Hinweis darauf sein, dass es ganz fundamentale Grundprinzipen gibt, nach denen alle Gehirne funktionieren."

Weitere Informationen erhalten Sie:

PD Dr. Björn Brembs, Institut für Biologie der Freien Universität Berlin,
Telefon: 030/ 838-55050, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
Weitere Informationen: www.fu-berlin.de - www.brembs.net

 

Datum: 26.01.2010     

 

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